Förster in Königlich Hannoverschen Diensten – Dietrich Christian Friedrich Herrmann

Pfarrersohn in Negenborn

Ohrdruf, eine Kleinstadt im Herzogtum Sachsen-Gotha ist der Geburtsort von Johann Christian Friedrich Herrmann. Sein Vater Christian Valentin, ein Bruder des Ohrdrufer Konrektors Johann Christian Herrmann war dort als Schneidermeister tätig.

Johann Christian Friedrich zog es in die Welt hinaus, er wurde Pfarrer in Negenborn und später in Odagsen bei Einbeck.

Sein Sohn Dietrich Christian Friedrich Herrmann wurde am 22. Dezember 1794 zu Negenborn geboren. Aus den unserem Familienarchiv erhaltenen Tagebüchern haben wir folgendes zusammengefaßt:

Die Schulbildung erhielt er, wie auch seine Geschwister von seinem Vater Johann Christian Friedrich Herrmann. Am 1. August 1811 trat er in die Lehre bei dem reitenden Förster Hampe zu Dörrigsen.

Befreiungskriege

Während der Befreiungskriege ließ er sich am 12. November 1813 als Freiwilliger bei dem von Beaulieu´schen Jäger- und Schützen-Corps zu Einbeck eintragen. Die ersten Wochen vergingen beim Excercieren, dann kamen auch Kommandos in den Harz zur Aushebung weiterer Rekruten in Scharzfeld, Elbingerode und Ilfeld, bis am 15. März 1814 der Ausmarsch zur Belagerung und Befreiung Hamburgs von der französischen Besatzung angetreten wurde. Die Belagerung Hamburgs dauerte vom 31. März bis zum Waffenstillstand am 24. April 1814. Sein Einzug in Hamburg erfolgte am 31. Mai, dann blieben die Truppen zur Besetzung in der dortigen Gegend noch bis Mitte Juli und kamen erst wieder am 21. Februar 1815 in Einbeck an, wo am 24. und 25. Juli ein Friedensfest gefeiert wurde.

Am 25. August 1814 wurde der Marsch nach Braband angetreten, der durch Westfalen und Holland bis Antwerpen ging, wo die Jäger am 16. September eintrafen und bis zum 21. Februar 1815 blieben. Dann in die Heimat, von Nimwegen aus über Osanabrück, Hannover bis Hildesheim, wo es aber nur kurze Ruhe vom 18. März bis 3. April gab. Die Jägerkompanie wurde wieder auf eine zweite erweitert, die nachher den Namen Kgl. Feldjäger-Corps erhielt. Am 3. April wurde Quartier in Hannover bezogen, Friedrich kam zur 1. Kompanie, welche am 8. Mai den im Februar/März gekommenen Weg nach Antwerpen wieder vorrückte. Am 26. Mai bis 11. Juni blieb Antwerpen besetzt, dann begann der Vormarsch nach Süden, Vereinigung mit der 2. schon vorwegmarschierten Kompanie und vom 16. bis 18. Juni die Schlacht bei Waterloo. Am 6. Juli war er in Paris, wo die Feldjäger bis zum 13. Dezember blieben um am 17. Januar 1816 endlich wieder in Northeim zu landen. In Göttingen wurde das Corps auf etatmäßige Stärke reduziert. Die Medaille der Freiwilligen von 1813 und die Waterloo-Medaille bekam er zur Erinnerung.

Förster in Escherode

1816 und 1817 hörte Friedrich Forstkollegien in Göttingen, zwischendurch war er mit Taxation und Feldmessen beschäftigt. Verschiedene Kommandos im Solling bei dem reitenden Förster Hampe in Schoningen und bei Förster Danne in Delliehausen fielen auch in und nach diese Zeit. Zum Gefreiten wurde er am 15. Juli 1823 ernannt. Sein weiterer Lebensweg führte am 1. Juni 1824 nach Lauenförde, ab dem 24. September 1827 war er Unterförster in Eschershausen (Amt Uslar). Ab dem 11. Mai 1829 war er in Ischenrode bei Bremke und kurze Zeit später, am 20. Juli als gehender Förster in Kleinalmerode. Hier hatte er endlich eine feste Anstellung, somit konnte am 17. Januar 1830 die Hochzeit folgen. Sieben Kinder entsprossen dieser Ehe, vovon aber zwei im zarten Kindesalter verstarben.

Am 1. November 1830 kam Georg Wallis als Lehrer ins Forsthaus, Mitte Dezember 1844 wurde das neu erbaute Forsthaus im Nonnenholze bezogen. Am 1. und 2. Mai 1850 Erfolgte eine Prüfung vor der Kgl. Domänen Cammer in Hannover, worauf bald die Beförderung zum Revierförster nach Escherode folgte. Doch konnte der Umzug erst am 1. Mai 1851 erfolgen.

Am 4. Dezember 1862 erhielt Friedrich den Rang und Titel eines Oberförsters und durfte am 12. November 1863 sein 50-jähriges Dienstjubiläum feiern. 123 berittene Landleute begleiteten mit Fahnen und Musik den Jubilar von Escherode bis nach Lutterberg. Dort fand die Jubiläumsfeier im Kreise von 43 anwesenden Personen statt. Eine lange Pfeiffe, deren Kopf eine entsprechende Widmung trug, legte Zeugnis von dieser Feier ab. Diese Pfeife, die im Bestand des Familienarchivs war, ging leider im 2. Weltkrieg verloren. Das Kgl. Hannov. Finanzministerium, Abteilung Domänen und Forsten bewilligte ihm eine jährliche Besoldungszulage von 100 Thalern vom 1. Januar ab schon wirkend. 1866 trat Friedrich in den wohlverdienten Ruhestand, zog nach Karlshafen an der Weser und entschlief dort am 10. Februar 1876 sanft und selig.

Dietrich Christian Friedrich Herrmann

Gesuch um Rückzahlung von Geldern

An Hohe Königliche Domänen-Cammer in Hannover

Unterthänigstes Gesuch des Revierförsters Herrmann zu Escherode, vom 21 sten Dezember 1851

Betreffend: Um gewogentliche Zurückzahlung der von mir zuviel bezahlten Dienst-Landpacht und Hausmiethe für den Zeitraum 1 Januar bis 1 Juli 1851

Durch Beschluß hoher Königlichen Domänen-Cammer vom 11 ten November 1850, sollte ich am 1 ten Januar 1851 den Revierförster-Dienst in Escherode übernehmen. Der Dienst ist geschehen, auch habe ich den bewilligten Gehalt dafür bezogen. Durch den Umstand, daß dem Herrn Forstmeister Quemsell es gestattet wurde, in seiner früheren Wohnung zu Lattenbühl noch einige Monate im Jahr 1851 zu verbleiben, wurde es auch mir unmöglich, schon den 1 ten Januar 1851 nach Escherode überzuziehen; vielmehr geschah dieser Umzug und die Überweisung des Hauses erst den 1 ten Mai 1851.

Die Pacht von dem Dienstlande zu Nonnenholz, woselbst ich bis zum 1. Mai d. J. wohnte, habe ich 1 Juli 1850 bis ultimo Juni 1851 mit 22 Thalern 2 Groschen 1 Pfennig Courant bezahlt. Wenn das nun recht war, wie ich annehmen zu dürfen glaube, so halte ich es auch für billig, daß von meinem Vorgänger in Escherode, die Dienst-Landpacht auch bis ultimo Juni d. J. bezahlt werden mußte; allein mir ist vom 1 Januar bis ultimo Juni d. J. auch für Escherode die Dienst-Landpacht mit 15 Thalern 13 Gr. Courant abgezogen. Vom 1 Januar bis 1 Mai d. J. bewohnte ich im Forsthaus, wovon die jährliche Pacht 30 Thaler folglich für 4 Monate 10 Thaler beträgt; mir sind aber für das, nicht von mir sondern, vom Reitenden Förster Pfannekuchen, bewohnte Haus, für die oben genannten 4 Monate 20 Thaler abgezogen, folglich für mich eine Differenz von 10 Thalern.

Durch diese Berechnung, welche von hoher Königlichen Domainen-Cammer liegen, einen höhern Ertrag, als den etatsmäßigen von den 3 Försterwohnungen zu Lattenbühl, Escherode und Nonnenholz, für jenen Zeitraum beziehen zu wollen. Hohe Königliche Domainen-Cammer wird es mir nicht verargen, wenn ich 4 Monate ein billigeres, kleineres Haus bewohnte, daß ich für die Zeit auf billigere Miethe glaube rechnen zu dürfen.

Aus den unterthänigst angeführten Gründen, wage ich es hohe Königliche Domainen-Cammer ganz unterthänigst zu bitten: "die von meiner Seite, als zuviel bezahlt betrachteten Beträge ad 25 Thaler 13 Groschen Courant, hochgewogentlich von der Amtskasse zu Münden, mir wieder zurück zahlen laßen zu wollen".

Indem ich einer huldvollen Gewährung meiner unterthänigsten Bitte vertrauensvoll entgegen sehe, verharre ich in tiefster Devotion Hoher Königlichen Domainen-Cammer

ganz unterthänigster

D C F Herrmann

 

Brief von Emilie Herrmann an ihren Bruder Carl

Carlshafen 23./24. Febr. 76

Innigst geliebter Karl!

Habe Dank für Deinen lieben Brief; ich habe mich sehr darüber gefreut. Das Du bei der Kälte nicht kommen konntest, hatten wir uns wohl gedacht. Louis, Ferdinand, Albertinen Bornmann waren hier, des Nachmittags kam noch ein Schwager von Ferdinand und auch ein Schwager von Louis. Die gingen des Abends wieder fort mit dem Zuge. Auch Heinrich Lämmert war hier. Der liebe nun selige Vater hat ein recht Ehren folles Begräbnis bekommen. Es war nämlich immer sein Wunsch (weil er Ehren Mitglied) bei dem Kriegerverein man Militärisch beerdigt zu werden. Das ist denn auch geschehen. Die Orden waren auf einem Kissen befestigt und wurden vor dem Sarge her getragen. Dann folgte der Krieger Verein 12 mit Gewehren es wurde auch am Grabe geschossen. Dann kam der Sarg und die anderen folgten.

August meint so eine große Leiche [Anm. d. Verf.: Begräbnisfeier] hätte er auch noch nicht hier gesehen, an 500 Menschen. Dann hat der Pastor eine sehr schöne Rede gehalten; ich habe letzteren bitten lassen er möge sie mir dochmal schicken; ich möchte dieselbe auch gern mal lesen was er auch versprochen hat. Die Orden und ein Lorbeer Kranz sind in der Kirche aufgehänkt. Der liebe Vater hat noch recht viel leiden müssen, so das wir den lieben Gott gebeten haben er möge ihn doch erlösen, es war ja auch sein sehnlichster Wunsch zu sterben. Gott sei Dank das er ausgekämpft hat. Mutter die war den ersten Abend sehr aufgeregt so das August seine Last mit ihr hatte; wir zogen Vater nämlich den Abend gleich an; ich hab seine Uniform ihm angezogen. Die anderen Tage war sie ruhiger. Weil Du nun auch schreibst Du glaubtest ein wechsel würde gut für sie sein da stimmten die anderen auch alle bei. Da meinten sie alle Twiste das wäre der geeignete Ort, weil sie da doch noch viel Leute kennt. Da wurde beschlossen sie sollte Alberthinen begleiten und Alle meinten in der ersten Aufregung ginge das Reisen auch besser als wenn sie erst zu Ruhe käme, nun ist sie schon seit 8 Tagen fort, mir ist es sehr einsam. Und als ob ich nichts zu thun hätte. Denn in der letzten Zeit ging es doch des Tags 3 bis 4 Mall hie und da eine um die andere Nacht. Bornmann schreibt die Reise sei ja gut von statten gegangen u. sie fühlte sich da recht behaglich, Nun erwarte ich auch einen Brief von Albertine, ob die nun eben so schreibt; dann sollte ich ihr das Bett schicken. Es ist heute kein Brief angekommen. Und dieser Brief soll heute nun fertig hatte vorgestern schon angefangen. Mutter die kann recht gut leben sie kann ein recht anständiges Kostgeld geben sie hat zirka 280 Einnahme; August hat nun einstweilen ihre Geschichten zu verwalten. Nun meinten die Geschwister die besten Löffel Messer und Gabeln Wäsche und noch verschiedene andere Sachen die sollten verteilt werden, und die anderen Sachen denn verkauft. Wie wäre es denn könntest Du denn dazu kommen? Denn bis Ostern muß das Logis geräumt sein weil es auch schon wieder vermietet ist. Bitte da schreib mir denn mal über dann kann ich Dir Nachricht geben.

Onkel Holscher schrieb einen rechten hübschen Brief an Mutter und uns. Auch die Frau Pastorin Großcurth, sowie auch Onkel aus Hannover. Wallis wäre gern gekommen, aber er war schon seit 14 Tagen leident an seinen Augen. Adolph Henchel hat auch keine Silbe von sich hören lassen; ich hatte ihn so halb und halb erwartet, weil das der letzte Blutsverwante von seiner Mutter war. Ich hoffe das es Dir nun wieder gut geht u. Du auch fertig mit Deinem Umzuge bist, ich will es wenigstens von Hertzen wünschen. Das es Deiner lieben Carolinen u. Kinder gut geht uns geht es so leidlich, bitte schreib recht bald wieder. August läßt alles bestens grüßen so wie Ihr Alle bestens von uns gegrüßt seit aber besonders bist Du lieber Bruder gegrüßt und geküst von Deiner Schwester.

Emilie

Materloo-Medaille

Diese silberne Medaille ist allen Militärs jeden Grades verliehen, welche mit der honnaverschen Armee der Schlacht be Waterloo beigewohnt haben, und wird an einem dunkelroten Bande mit hellblauer Einfassung getragen. Auf der Vorderseite befindet sich das Brustbild des Verleihers, mit der Umschrift: Georg Prinz Regent und die Jahreszahl 1815; auf der Rückseite, unter Armaturstücken, über zwei im Halbkreise liegenden Lorbeerzweigen, die Inschrift: Waterloo Jun. XVIII. mit der Umschrift: Hannoversche Tapferkeit

Der Vor= und Zuname des Inhabers, dessen Stand und das Regiment, Bataillon, oder Corps, in welchem derselbe am Tage der Schlacht gedient, sind auf den Rand der Medaille graviert. Dieselbe bleibt das Eigenthum des Inhabers und ist auch nach dem Abgang aus dem Militär zu tragen.

Quelle: Pfannkuche; Die Kgl. deutsche Legion 1803-16

Siehe auch Wikipedia

Kriegs-Denkmünze

für die im Jahre 1813 freiwillig in die Hannoversche Armee eingetretenen Krieger, gestiftet vom Könige Ernst August, laut Patents vom 11. May 1841. Selbige besteht in einer bronzenen, an einem weissen Bande mit zwei gelben Streifen getragenen Medaille, welche auf der Vorderseite in einem Kreuze den gekrönten Namenszug des Stifters, und unter diesem die Jahreszahl 1813 enthält. Zu der Kriegsdenkmünze, welche den Erben des Inhabers verbleibt, sind alle Hannoveraner und Ausländer berechtigt, welche vor Ablauf des Jahres 1813 freiwillig die Waffen ergriffen haben, und in einem schon im Feldzuge von 1813 vor dem Feinde gestanden oder im Frühjahr 1814 vor den Feind geführten Hannoverschen Regimente, Bataillon oder Corps gewesen sind und gedient haben.

Quelle: Pfannkuche; Die Kgl. deutsche Legion 1803-16

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